Replik auf Kassaei, Demner, Kobza und Co: Wo bleibt der Nachwuchs in den Agenturen?
Am vergangenen Donnerstag fand im Redroom am Stubenring eine Diskussion zwischen Amir Kassaei, CCO der DDB Deutschland Gruppe und Mariusz Jan Demner, Chef der größten österreichischen inhabergeführten Agentur Demner, Merlicek & Bergmann zur Zukunft der Werbeagenturen statt. In relativ gemütlicher Runde gab sich dabei die gesamte Führungsriege der österreichischen Werbebranche ein Stelldichein.
Es wurde also viel geredet. über Veränderungen, Verrechnungsmodelle, die rosige oder weniger rosige Zukunft der Werbung, Apple, Obama und Marmeladen. Amir Kassaei wiederholte auch in Wien sein Mantra, wonach Werbeagenturen zu kreativen Unternehmensberatern werden müssten, um nicht in den Geschichtsbüchern zu landen. Demner sieht die Zukunft der Werbeagenturen rosig und weiß nicht von welchen Problemen alle sprechen. (Abgesehen davon, dass weniger verdient wird.)
Die Frage jedenfalls, wie die Werbebranche wieder in eine Position kommt, in der die Kunden auf Augenhöhe mit den Agenturen sprechen und in der auch wieder mehr Geld zu verdienen wäre, wurde an dem Abend mit dem Hinweis auf den “Anspruch” den die Branche an sich selbst stellen müsste beantwortet.
Wie so oft ist es aber spannender sich anzusehen worüber nicht gesprochen wurde. Im Redroom war dies das Thema “Nachwuchs”. Zwar bemerkte Rudi Kobza dass die guten Jungen fehlen würden und auch Sebastian Loudon fragte Demner und Kassaei explizit welchen Nachwuchs man bräuchte - darauf eingegangen wurde allerdings nicht.
Wo sind also die Jungen, die die Werbebranche wieder dort hinführen könnten wo sie sich in den 60ern wähnte? Die Frage die sich Herr Kobza stellt lässt sich eigentlich sehr einfach beantworten.
Wenn ich mich an den verschiedenen Fakultäten umsehe an denen ich studiere oder studiert habe, egal in welchem Land, dann stelle ich fest, dass die wirklich talentierten Leute die Innovatoren und Leuchttürme in ihrem jeweiligen Feld kennen. WIrklich motivierte Wirtschaftsstudenten kennen McKinsey, Booz, Apple, Microsoft oder junge Unternehmen die sich nie leisten könnten DDB zu engagieren, die IT-Nerds kennen die heißen Web-Start-Ups der jeweiligen Stadt, Google und co, die Designer kennen die “hot shops” die großartige Dinge für kleine Unternehmen machen oder Game Studios und viele schlaue - als Beispiel für Orchideenfächer - Anthropologen wissen viel über sehr vieles. Aber DDB interessiert sie alle aller Voraussicht nach nicht. Und im Gegensatz zu oben genannten bemüht sich die Branche auch herzlich wenig um sie.
Worauf will ich hinaus? Viele der smartesten Leute die ich in den letzten Jahren persönlich oder durch das Lesen ihrer Blogs kennen gelernt habe arbeiten bei Google, bei Microsoft, bei Nokia oder bei McKinsey. Andere, bis oben hin mit Fähigkeiten die für die Branche nützlich wären, arbeiten lieber auf ihrem Institut für die ESA, streben Firmen wie AdaptivePath an oder machen gleich etwas ganz anderes - von Gedenkdienst, über Lehrer bis zu Entwicklungshilfe. Die, die in der Branche sind oder sich für sie interessieren schauen zu Unternehmen wie Anomaly, Droga5, RGA oder AKQA, wechseln in die PR oder bauen Innovatives auf. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie ihr Hirn dafür einzusetzen wollen um etwas verändern, nicht um “nur” Werbeideen zu generieren, in einer Branche die wenig bewegen kann und die - wie auch Tibor Barci erwähnt hat - noch dazu auf einer verstaubten Theorie aufgebaut ist.
Warum ist das so? Von den 60er Jahren bis in die 90er mag Werbung eine der treibenden kulturelle Kräfte gewesen sein. Definitionsmacht über Bedeutungen, conquest of cool, Rock&Roll und Mad Men. Heute hat die Spieleindustrie die Filmindustrie eingeholt, jeder kann immer kommunizieren (“Really simple stuff with objects looks like magic. Really hard stuff with screens still just looks like media.” - Russel Davies) und die Werbung ist nur noch ein kleiner, bei der Gesellschaft unbeliebter und für die meisten irrelevanter Teil der Creative Industries. Eine Branche die glaubt immer noch wahnsinnig interessant zu sein, der sich auf eine Werbeakademie als Nachwuchsschmiede verlässt wo viel mehr notwendig wäre und die - auch das sei gesagt - vergleichsweise miserabel entlohnt.
Klar, es ist immer noch ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man mit seiner Arbeit ein Millionenpublikum beeinflussen kann. Aber muss man dazu heute in die Werbung gehen? Wie viel von dem was die Werbung macht ist denn wirklich gesellschaftlich relevant? Bei wie viel von dem was da an “Kommunikation” entsteht hat man das Gefühl an etwas großen beteiligt zu sein? Die Wahrheit ist: bei herzlich wenig. Darum, lieber Herr Kobza, interessieren sich die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen nicht für “Werbung” an sich. Und darum fehlt Ihnen guter Nachwuchs in den Agenturen.
Update 1: Rudi Kobza war so freundlich mir auf Twitter zu antworten. Adaptiert zur besseren Lesbarkeit.
Kobza:
“mach dieselbe beobachtung. agenturen werden wieder interessanter werden. erlebs bei pr, strategy und digital. der einstieg in die agenturen wird aber auch von anderen bereichen als bisher kommen…”
Ich: Die Zukunft nicht im eierlegenden Wollmilchschwein, sondern in kleineren Spezialunternehmen? Wo sitzen dann die Strategen?
Kobza:
Sowohl als auch. Ich sehe 1. Spezialisten: machen Strategie und begleiten. Execution von Agentur oder Kundeninhouse, a la markenstern . Reines Consulting mit hoher Wertschaetzung. Gilt auch für Spezialisten rein digital, pr etc. Dann 2. Agenturen die im Kern Strategie, Big Idea Conception, Execution 360 und tägliche Idea Generation haben. Das die neuen Agenturen wo sich in meinen Augen noch eine große Konzentration abspielen wird. Und Kulturchange in den Agenturen. Dieser Agenturtypus hat sicher auch eine starke Agenturbrand, ist angesehen und wertgeschätzt weil top people. Auch durch laufendes proof of concept - große Kampagnen, Momentum, Innovation, Strategie, Performance etc. daily proofed. Ja und dann seh ich 3. die klassischen Kampagnenmacher die sich auf den Kern der Idee reduzieren. Da fallen mir jetzt schon manche Agenturen ein, die sich plötzlich im Wettbewerb mit freien Teams befinden. Meiner Ansicht zu eng. Die Kategorie der Executoren hab ich bewusst weggelassen weil die können vom Studio bis zum Kunden überall sitzen.
Fazit: 1. und 2. Find Ich persönlich interessant 1. Soll Markenstern, kobza integra abdecken. ad 2. wird sich Lowe GGK als eine der stärksten Agenturen hinentwickeln inkl digital.
Update 2: Die Antwort von Amir Kassaei
Das mit dem Nachwuchs stimmt. Ist aber wieder eine Bestätigung meiner These. Weil wir nichts mehr zu bieten haben, kommen auch nicht mehr die talentierten Leute.
Ich: Ich stimme der These ja zu. Aber für mich muss das auch mit einer Änderung im Recruiting einher gehen. Und das tut es nicht.
Ja, wobei ich sogar so weit gehe zu sagen dass think tank der modernen Prägung ohne Erbe aus der Kommunikationsbranche durchstarten müssen. Heißt auch ganz andere Jobprofile und Menschen. DDB ist und bleibt ein Kommunikationsdientleister das was ich meine hat aber nichts mit DDB zu tun. Auch nicht mit dem Berufsbild des Kommunikationsprofis.
Ich: Davon rede ich ja. Für “back to the roots”, ob als “Think Tank”, als “kreative Unternehmensberatung” oder in einem Modell wo man Joint Ventures eingeht braucht man andere Leute als die Kommunikationsbranche. Und Wandel aus dem Inneren ist unmöglich?
Ja, weil KFZ Mechaniker dich nicht verstehen wenn du zum Mond willst.
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10 reasons Vancouver is a great place for an exchange semester
In order of subjective importance.
10. The beer is better than in the US (I know, there are microbreweries …)
Granville Island makes an almost bavarian Hefeweizen. So you are not doomed to drink American light beer.
9. The seafood is awesome
They basically invented Salmon and Tuna here. And they definitely learned how to make great stuff with it.
8. Hawaii is as close as it gets
Chances are, you are not getting much closer to Hawaii anytime soon. (That doesn’t meen the flight from Seattle is actually getting you there quickly but fair enough …)
7. You are not strange if you are actually interested in the stuff you study
More students than in Vienna actually want to study what they study. In addition, the professors I had take pride in teaching the stuff they do. They are disappointed if people fail their exams and they talk to you if you don’t perform to their expectations.
6. Vancouver is a city, but it’s not really big
There is a downtown with skyscrapers, but you can bet there are some wooden houses right across the street.
5. You get a chance to see bears and all kinds of wildlife
A 10 hours drive gets you to the Canadian Rockies, four national parks that are recognized as a UNESCO World Heritage Site. (If you are more into whales and dolphines you can also go to the Vancouver Aquarium or whale watching.)
4. There are mountains, island, beaches, parks and forrests right around the corner
Mount Seymore, Cypress and Grouse. Bowen Island, Vancouver Island. English Bay, Kitsilano Beach. Stanley Park and the Pacific Spirit Park.
3. The people are really nice
They even say “Thank you” to the bus drivers - something you’d be laughed at in Vienna. In return, the bus drivers tell you where to go and even drop you off between stations at night.
2. Vancouver is a very progressive city
There’s the West End, Vancouver’s gay community. There’s Wreck Beach, the famous, hippiesque nude beach. There’s 4-20, the marijuana holiday. So whatever is your thing, there’s probably a place for you in Vancouver.
1. Most people arrived “just recently” (in historical dimensions)
Most people here are first or second generation Vancouverites. Multiculturality is a core part of Vancouver’s identity and I haven’t even heard debate or negative sentence about that while I was here. This is so different to Vienna, where you have to face racism in political campaigns and even newspapers.
420 and bluegrass - Or: Things that I didn’t know before coming to Canada
I have mentioned before that a lot of people in Vancouver tell me about the quality and importance of B.C. marijuana and how the laws or rather their enforcement is lenient compared to the US and Canada’s east. I think I also mentioned that on the other hand alcohol laws and their enforcement are extremely strict compared to those in Austria. So I was already kind of used to seeing the reverse image of Austrian culture: people smoke weed in public or at concerts where there’s a strict “no tobacco” policy, people get arrested for drinking or being drunk in public.
Anyways, when it came to April 20th I was still stunned by how different our two cultures deal with the two drugs. April 20th or 420 (4-20) is a (supposedly) global counterculture holiday to celebrate the use and demonstrate for the legalisation of marijuana. It obviously never made it to Austria, a country where April 20th is more related to the birth of a rather unpleasent historical figure.
So - how would you expect this counterculture holiday to look like? Secret private gatherings? Think again.
(Nope: I do not have original video material as I was not downtown …)
Please take a second to imagine a demonstration like that in Vienna, preferably 1st district.
On the same day, maybe remotly connected in terms of ideology, I agreed to attend a bluegrass concert. The Yonder Mountain String Band was in town and I got some insider information that they would be absolutely amazing live. And they were. (Music starts at 1:40)
The “Holodeck” isn’t that far away …
The folks at the IDEO Lab are kindly sharing their experience at EON Reality’s immersive 3D room.
You can see technology in action in this little video. Read their blog post to learn how it works.
Amazing 3D immersion technology from IDEO Labs on Vimeo.
Looking at this, the amazing video razorfish has recently released, showing their surface, gestual interface physics simulation (emerging experiences) and recent augmented reality research makes you think about the endless possibilities the combination and fine-tuning of these technologies are going to offer in the near future.
“… so I can get my stuff done!”
Levni (Lev) Yilmaz creator of the “tales of mere existence” with his take on procrastination, at a time way before the word became common in german speaking countries.
Canada, Beer and The Least Common Denominator (or: National Identity as a Brand Platform)
At the very end of our intercultural training for my exchange semester in Canada, the professor showed us a little video to loosen up and cap our session.
We had talked about culture and intercultural communication in general before, about Austrian an Canadian culture in particular and we had even discussed about some “strange encounters” between Canadians and Austrians. We had heard lots about the “Britishness” of Canadian culture, and how it is different from the US in some way. And still, when we watched the video (which is from 2000 by the way), we had really no clue what it really was about (or “a boot”).
Almost four months and some Canucks games, pints of (not very well-tasting) Molson Canadian and “intercultural interactions” later, I feel like I know a great deal more about Canada. (more…)
Werbenutzung – Was machen die Menschen mit der Werbung? (Teil 11)
Ein Großteil der – vor allem betriebswirtschaftlich orientierten – Werbeforschung, beschäftigt sich mit der Frage der Werbewirkung, also damit, was die Werbung mit den Menschen macht (vgl. Buttle 1991; vgl. die Modelle in Kotler 2006: 884, Schweiger/Schrattenecker 2005: 6 und 12, Fuchs 2007: 499). Die Rezipienten werden als Individuen gesehen, die den auf sie einwirkenden Reiz „Werbung“ aufnehmen und verarbeiten (vgl. Buttle 1991: 4, Mick/Buhl 1992: 317). Der Kontext der Rezeption wird nicht oder nur am Rande berücksichtigt.
Dieses Modell der Werbung kann aber zum Verständnis viraler Werbung aber aus zwei bereits angeführten Gründen wenig beitragen. Zum einen (more…)
Der Stellenwert der Werbung in der (deutschsprachigen) Kommunikationssforschung (Teil 10)
Nach der Beleuchtung der Hintergründe und Gemeinsamkeiten all der “heißen” Marketing- und Kommunikationskonzepte - vom Mundpropaganda-Marketing bis zum Branded Entertainment -, kann man sich nun die Frage stellen was die Kommunikationswissenschaft denn eigentlich zur Klärung der Problemstellungen beitragen kann.
Dabei drängt sich zuallererst die Frage der Zuständigkeit auf. Fühlt sich die Kommunikationswissenschaft eigentlich zuständig für das Thema Werbung?
Ein kleiner Nachtrag zur “Krise” der Werbung
Im vorherigen Beitrag habe ich von der “Krise” der Werbung geschrieben und dass diese “Krise” eigentlich permanent ist. Also dass in der Werbung/Kommunikation schon immer von Krise und der Schwierigkeit Menschen zu erreichen geschrieben wurde. Damit ist das ganze eigentlich auch keine Krise, sondern Alltag. Und zwar einer in dem sich die Werbebranche ständig an die sich permanent ändernden gesellschaftlichen, kulturellen und technologischen Bedingungen anpassen muss.
Nachlesen kann man das zum Beispiel, und das hab ich in den letzten Beiträgen nicht zitiert, schon in Ogilvy’s Confession of an Advertising Man, Hedges’ Testing to Destruction, den zeitlosen Artikeln von Stephen King in A Master Class of Brand Planning, in diversen Artikeln über Advertising Clutter oder in der Literatur zu Medienwirkungsforschung im Allgemeinen.
Ich persönlich finde es ja interessant zu beobachten wie sich aus im Laufe der Zeit unterschiedlichen Ansätze ausdifferenziert haben und auch wie sich Agenturen selbst positionieren. Vergleicht man zum Beispiel Anomaly, BBH, BBDO, CP+B, DDB, DraftFCB, Droga5, Enfatico, Fallon, Goodby, Grey, McCann, Naked, Ogilvy, TBWA, Young & Rubicam und W+K, so sieht man ein buntes Allerlei aus Stimulus-Response Denken, Agenda-Setting, Postmoderne und so weiter, in das sich immer mehr Social Media und der “aktive” Konsument (wenn er nicht schon vorher als aktiv betrachtet wurde) hineinschleichen.
Was denkt ihr? Sind Annahmen darüber wie Kommunikation “funktioniert” wichtig für euch? Beeinflusst das eure Arbeit? Ist es wichtig für eure Kunden?
PS: Neil Christie von W+K hat sich übrigens einmal den Spaß gemacht die Positionierungen der Agenturen in UK anzusehen und zu kommentieren.
Gemeinsamkeiten und Herkunft: Die (vermeintlich) neue Krise der Werbung (Teil 8)
Die Werbung steckt in einer Krise, keine Frage. (von Wedel: 2003)
Die Werbung ist in der Krise. Heißt es. Mal wieder. (Lankau 2004: 1)
Eine der wesentlichen Gemeinsamkeiten aller in den bisherigen Teilen diskutierten Ansätze, wie Guerilla Marketing, Viral Marketing oder eben Viral Advertising ist die sogenannte „Krise der Werbung“. Dabei lassen sich Werbeverdruss, Werbeflut und Werbevermeidung anführen (vgl. Zurstiege 2007: 143f).
Say ‘design’ and people think Rams, Ives, Eames. Say advertising and they think Cillit Bang,
schreibt Russel Davies (2008) in seinem Blog. Und er hat nicht Unrecht. Die Einstellung der Gesellschaft Werbung gegenüber ist gespalten. (more…)






